Glitch in der
Kulturregion
Wir sind Kulturhauptstadt. Und meinen dabei weniger Österreich als die Alpen. Dass die europäische Kulturhauptstadt heuer (erstmals) im ländlichen, inneralpinen Raum stattfindet, das wisst ihr bereits. Und wir haben euch auch schon mehrfach davon erzählt. Musik, Literatur, Theater – und letztlich auch bildende Kunst finden sich gerade in Bad Ischl (und 22 weiteren Gemeinden) im Salzkammergut ein. Gerade heute wird die so called "Kulturregion" festlich eröffnet. Ob Europa hinschaut, das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Wir haben besonders interessiert auf die Gegenwartskunst geschaut – und in dem Fall auf die zentrale Ausstellung im sudhaus mitten in Bad Ischl. Nach dem Salz ist dort nun die Kunst eingezogen. Und das Salz ist geblieben. Als Thema – und in den Arbeiten von Sigalit Landau (haben wir 2019 im Museum der Moderne Salzburg kennengelernt) oder bei Michael Sailstorfer. Neben dem Salz erzählt die Schau auch vom Wasser, das auf den Gletschern fehlt und woanders Gebiete überschwemmt. Kunst, die in der Gegenwart ankommt, das gefällt uns. Die Kulturhauptstadt solltet ihr in jedem Fall untersuchen gehen, nicht nur im sudhaus. Das vollständige Programm gibt es hier.
 
Vom Wasser an den See: Erst letzte Woche haben wir uns mit euch an Friedrichshafen zurückerinnert, wo im Zeppelin Museum derzeit mit "Kryptomania" den Verheißungen der Blockchain nachgegangen wird. In den digitalen Sumpf wagt sich derzeit auch die Pinakothek der Moderne in München. Dort geht "Glitch" der "Kunst der Störung" auf den Grund. Und findet in etlichen Arbeiten den Reiz an der Schieflage wieder. Da stimmt doch was nicht, ob in der frühen Fotografie oder der neuesten Medienkunst, denkt man sich da bei vielen der gezeigten Arbeiten. Herumgedoktort an der Technik und dem vermeintlich Richtigen haben u.a. Wolfgang Tillmans, Peter Weibel oder die !Mediengruppe Bitnik. "Glitch" ist als Ausstellung zwar nicht experimentell, irgendwie reizvoll ist sie allemal.
 
Zum Abschluss noch einmal reizvoll, denn im Digitalen haben wir etwas ganz abseits des Digitalen entdeckt, von dem wir euch erzählen müssen. Denn "One Too Many" ist ein analoges Magazin, das die Grenzen des Magazin-Seins sprengt – und zwar nicht, weil es besonders viel anbietet, sondern zunächst einmal besonders wenig. Issue 1 der Reihe beschäftigt sich nämlich nur mit 1 Werk. In Worten: Einem einzigen Kunstwerk. Im ersten Fall nämlich mit "Office Lighting" von Isa Genzken. Der Ansatz ist simpel wie gut: 1 Werk, viele Perspektiven, viele Meinungen. Gesammelt werden sie auf 106 Seiten, bestellen kann man sich das Ding derzeit hier. Ob das Projekt Schule machen wird? Wird sich weisen. Aber die intensive Beschäftigung mit einem einzigen Werk ist in einer Welt des Bilderstroms schon einmal eine gute Idee. Sich Isa Genzken zu widmen ebenso. Ihre Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zählte schließlich zu den beliebtesten im deutschen Raum 2023. Zeigte u.a. diese Umfrage hier. Habt ihr sie gesehen? Erzählt uns davon!
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Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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13.01.2024: Wir sind wieder da
02.12.2023: Doppelter Ärger
25.11.2023: Ein Mehr an Meer
 
Bildcredits: (1) (c) BfG, Ausstellungsansicht "sudhaus – kunst aus salz & wasser", Sudhaus Bad Ischl (2) c) BfG, Ausstellungsansicht "Glitch. Kunst der Störung", Pinakothek der Moderne, München (3) c) BfG, Screenshot Instagram, Foto: Philotheus Nisch

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