Wie viel ist
zu viel?
Es ist wieder eine dieser Schlagzeilen, bei denen plötzlich wieder alle auf die Gegenwartskunst schauen. Sogar die Boulevardmedien. Achtung, Achtung, jetzt kommt sie, die Schlagzeile: Flatz versteigert seine Haut bei Christies – hieß es Anfang letzter Woche. Jetzt weiß man, die Haut wurde am Ende gar nicht versteigert. Nicht, weil alles ein Gag war, sondern weil ein Sammler sich die ganze (Haut-)Reihe hinter Glas gleich im Ganzen sicherte. Besitzen wird er die schönen Stücke aber sowieso erst nach Flatz' Tod. Ihhh, was für eine Provokation! Das bleibt am Ende bei vielen im Kopf. Natürlich gehört bei Flatz das Provozieren zum Game dazu. In Dornbirn kann man sich im Flatz-Museum ja nochmal davon überzeugen. Unter die Haut ging schon die Performance des Vorarlbergers 2010 im Innsbrucker Kunstraum – hier ein Video. Für alle Hartbeseiteten. Der Aufschrei war groß. Klar wurde aber auch – Flatz ist unaufhaltbar. Aber wie viel ist zu viel? Body Art, geht das heute nicht ganz anders? Das gilt es nun einmal mehr zu disktutieren. Wir interessieren uns tatsächlich mehr für die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne (und die Arbeit "Hera und Hades" von 2004, im Bild), die dem Künstler jetzt seine Räume für eine Personale öffnet. Los ging es vorgestern, Donnerstag. Der Eröffnung gab die Haut-Aktion nochmal einen Push, rund 1000 Leute kamen ins Museum.
 
Apropos Kunsthaut: Jetzt weg von menschlichen hin zur künstlichen Haut, also dem Stoff. Der Textilkunst widmet aktuell nicht nur das MAK in Wien eine Ausstellung. In Hard/Soft wird dem Textilen zusätzlich noch die Keramik gegenübergestellt. Keramik vs. Stoff. Beide Elemente kann man derzeit auch in Innsbruck erleben. Nur gegenüberstellen muss man sie halt selbst. Weil die Keramiken von Yara Lettenbichler derzeit in der Plattform 6020 zu sehen sind und die Textilarbeiten von einer Reihe von Künstler*innen zwei Minuten weiter im Ferdinandeum. Aus der Schau "Da beißt die Maus keinen Faden ab" zeigen wir euch hier auch ein Bild – mit einer Arbeit von Sophia Mairer. Und wie mögt ihr es lieber? Hard oder soft? Wir können euch sagen, da und dort lassen sich (weibliche) Entdeckungen machen. Und das ist immer gut.
 
Begleitet uns zum Abschluss noch rüber über den Brenner. Weil je südlicher, desto Frühling. Die Franzensfeste jedenfalls bereitet sich aufs Aufblühen vor. Am 1. März ist es soweit. Eröffnet wird jetzt schon – aber nicht mit einer Ausstellung und fürs Publikum, sondern zunächst einmal für 18 Künstlerinnen. Die werden die Festung jetzt einmal als Atelier nutzen. Ihre Arbeiten werden dann ab März auch für das Publikum zu sehen sein. Wir fragen uns im Bild: Ist der Papierflieger von Esther Stocker noch da? Die Uni Bozen und mit ihr die Studierenden der Design- und Kunstschiene stellten sich schon Ende Jänner dem Publikum vor. Dank Franz bekommt ihr hier noch ein paar Einblicke. Wollt ihr immer wissen, was so in der Uni abgeht? Dann sei euch die neue Homepage des Departments empfohlen. Dort wird man, das gefällt uns schon mal, gleich von einer Reihe von Fragen empfangen. Können Kinder ihre eigenen Stühle bauen? Und: How much is too much? Oder wie wir oben schon fragen: Wie viel ist zu viel? Ja, ok. Lasst uns jetzt einmal mal wirklich darüber nachdenken.
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Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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03.02.2024: Fläzen auf der Kunstcouch
27.01.2024: Reisen in andere Länder
19.01.2024: Glitch in der Kulturregion



 
 
Bildcredits: (1) (c) Flatz Foundation (2) c) BfG, Ausstellungsansicht "Da beißt die Maus keinen Faden ab", Ferdinandeum Innsbruck, 2023 (3) c) BfG, Franzensfeste.

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