Inseln, die
klingen
Es sind folgende Worte, die ihr am liebsten lest, wir wissen es: WIR SIND WIEDER DA. Weil Ostern ist eh schon lange vorbei. Und der Winter eigentlich eh auch. Aber am Ende dann vielleicht doch nicht. Den Kunstfrühling haben wir schon lange ausgerufen – deshalb, wir bleiben dran. Unser Tatenvolumen ist noch lange nicht aufgebraucht. Weshalb wir auch in den letzten Wochen für euch unterwegs waren, um euch jetzt neuesten Kunststoff zu liefern. Der – ihr habt es in den Social-Media-Feeds eurer kunstsinnigen Freund*innen schon entdeckt – im Moment gar nicht nicht die Biennale in Venedig betreffen kann. Alle waren da und deshalb auch niemand so richtig – und wer, wenn nicht wir, würde euch die schönsten Einblicke aus der D-A-CH-Region präsentieren? Also der D-A-CH-Region in Venedig. Bildlich bleiben wir bei den Pavillons, stofflich bouncen wir darüber hinaus. Nicht vergessen darf man, dass Hannes Egger (u.a.) im Spazio Punch projektierte – oder Julia Bornefeld eine Arbeit für den Pavillon von Kamerun geschaffen hat. Benvenuti in Venedig jedenfalls! Womit starten in unserem Pavillon-Durchlauf? Am besten mit Österreich, weil wir darüber bereits im Vorfeld getippselt haben. Wie viele andere jetzt, hier und hier etwa. Unser Fazit: Anna Jermolaewa hat mit ihrer Biografie, die für so viele andere steht, einen starken Pavillon geschaffen – die Details machen's aus. Nach Hause telefonieren? Geht hier auch.
 
Vom eigenen Leben berichtet auch der deutsche Pavillon. Ebenso wie von seiner Architektur, seinen Menschen, seiner Geschichte. Gerade in den ersten Tagen der Biennale wollten alle den besonderen, begehbaren Erinnerungsraum „Tresholds“ begehen. Das „Denkmal eines unbekannten Menschen“, das Ersan Mondtag dort erschaffen hat, steht einmal mehr für so viele. Eine ganze Generation. Mithilfe der Stimme des Großvaters, der als türkischer Fabriksarbeiter nach Deutschland kam, erzählt Mondtag u.a. vom „Gastarbeiter“-System Westeuropas – schon vor dem Erdhaufen mit Material aus Anatolien, das er am Eingang aufgeschüttet hat, haben wir uns an die Ausstellung „Bleiben in der Fremde“ im Taxispalais erinnert, die historische Perspektiven dazu versammelt hat. Und als Trilogie weiterlief. Aber Achtung! Parallelen ziehen ist hier schwer. Das Wichtigste im deutschen Pavillon: Das Miteinander ist Mondtag und Yael Bartana, die auch einen Teil des Pavillons bespielt, gelungen. Durch sie gelingt die Verknüpfung ins Heute – oder gar in die Zukunft. Und! Der deutsche Pavillon reicht heuer sogar bis nach La Certosa, wo gleich eine ganze Insel zu klingen beginnt.
 
Die Schweiz beschließt die D-A-CH-Region, entführt gleichzeitig aber auch an einen sehr speziellen Ort, den sich Guerreiro do Divino Amor da aufgebaut hat. Ein immersives Kunstwerk ist es geworden, man wandert zunächst einmal direkt in eine Kuppel – aber don't worry, jegliche Grenzen – ob zwischen Geschlechtern oder Ländern – wurden sicherheitshalber schon vorher eingerissen. Das Video „Das Wunder der Helvetia“ erzählt einen ganz eigener Nationalmythos, ist ein bisschen Sci-Fi, ein bisschen antike Allegorie und viel utopische Architektur. Es wird gesungen, erzählt, in buntesten Facetten fabuliert. Auch das kann man live erleben. Ja, let’s be honest, wir wollen euch schon ein bisschen zappeln lassen. Und nicht alles verraten. Weil wir ja selbst noch nicht alles verdaut haben. Denn was hat der Südtiroler Reschensee eigentlich im Belgischen Pavillon (man nehme sich eine der vielen Zeitungen zur Hand!) verloren? Ach, Biennale ist immer Überforderung, aber der Tatendrang danach auch wieder groß.
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Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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