Brücken
zur Natur
Von Wiesen und Wäldern, die durch die Kunst zu sprechen beginnen – davon haben wir ja erst am vergangenen Newslettersamstag geschrieben. Die Wiesen und Wälder lassen uns aber auch für die heutige Ausgabe nicht los. Wie auch, wenn im Museumsquartier in Wien vergangene Woche die erste "Wiesenvernissage" stattgefunden hat? Wiesen-, was? Ja, richtig gelesen, eine W-i-e-s-e-n-v-e-r-n-i-s-s-a-g-e. Und zwar auf einer Freifläche direkt vor dem Museumsquartier, genauer dem Versuchsfeld1, das Anita Fuchs seit April 2023 künstlerisch beforscht. Eine "Insektenperformance" gab es bereits – jetzt stellen Künstler*innen direkt in der Wiese aus. Neben Anita Fuchs eben auch Alexandra Kontriner, die wir hier schon einmal in ihrem Atelier besuchen durften. Auch damals ging es bereits um Pflanzen und Krabbeltiere, ihre Faszination für das zufällig Sprießende und das langsam Vergehende. Mit diesen beiden wechseln wir nach Gröden, zu den alten Mythen, die da gerade im Rahmen der Biennale Gherdëina künstlerisch und natürlich verhandelt werden. Dafür muss man sich Zeit nehmen, das ist uns bewusst. Deswegen gibt es heute auch nur häppchenweise etwas davon. Etwa von Tobias Tavella, der im Museion gerade eine Brücke von der Ausstellung "Renaissance", also dem white cube, direkt in die Natur gebaut hat. Bis nach Gröden tönt sein "Atmosphere Conductors: Bridging the Urban-Natural Divide", die ihr hier schon einmal im Bild seht.
 
Brücken in Richtung Biennale Gherdëina bauen, das macht nicht nur Tobias Tavella vom Museion aus. Wenn man weiter durch Bozen schlendert, stößt man einmal mehr auf das Grödner Kunstfestival, denn auch in der AR/GE Kunst ist ein bisschen Gröden eingezogen. Dort ist gerade das Video von Eva Giolo zu sehen, das der Kunstraum gemeinsam mit der Biennale Gherdëina ermöglicht hat. Es erzählt von Giolos anderthalbjähriger Recherche in den ladinischen Tälern der Dolomiten. Geblieben ist die Sprache, das legt bereits der Titel "Memory Is an Animal, It Barks with Many Mouths (Die Erinnerung ist ein Tier, sie bellt mit vielen Mäulern)" nahe. Das Video erzählt aber auch von den alten Sagen, die von Kindern im Wald nochmals neu erfunden werden. Fein wird eine um die andere neu gesponnen. Vielleicht auch jene vom "Parlament der Murmeltiere", die sich die Biennale Gherdëina selbst heuer auf ihre Fahnen geschrieben hat. Was sich dort genau abspielt, davon erzählen wir euch – auch mit Bildmaterial – schon ganz bald, versprochen! Schaut derweil einfach in Bozen vorbei.
 
In Wiesen und Wäldern da war auch der Tiroler Künstler Lois Weinberger künstlerisch daheim – das brauchen wir euch Kunstliebhaber*innen ja nicht erzählen. Wir freuen uns jedenfalls immer wieder, wenn wir was von Weinberger sehen, der selbst ja bereits 2020 verstorben ist. Wir haben uns bereits den Mund fusselig gequasselt von seinen Arbeiten im öffentlichen Raum – in unserer Hood in Innsbruck etwa. Oder vor dem Kunsthaus in Bregenz. Mit seiner Frau Franziska Weinberger hat er viele dieser Arbeiten ersonnen. Sie hat es ermöglicht, dass über den Sommer eines der Werke in Tirol zu sehen ist. Im öffentlichen Raum, auf einer temporär eingerichteten Brücke in Schwaz. Für "Portable Garden" wurden 70 Säcke voller frischer Ackererde entlang der Brücke verteilt. Bei Weinberger erledigt jetzt wieder, wie so oft vorher, die Natur den Rest. Innerhalb weniger Tage, begann zu sprießen, was sprießen kann. Im September öffnet dann übrigens eine ganze Ausstellung zu Weinberger im Schwazer Museum der Völker. Bis dahin wird auf der Brücke noch einiges wachsen. Vermeintlich Nebensächliches halt. Was Flugsamen und Vögelchen so bringen – ein Update dann im Herbst.
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Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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Bildcredits: (1) (c) BfG (2) c) BfG (3) c) BfG.

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