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Die Gästin grüßt (3):
Von unterwegs
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Gästin, richtig gelesen! Ein herzliches „Hallo!“ gibt es heute nicht vom
Büro für Gegenwartskunst, sondern von mir – Linnea, mein Name. Ich
schreibe euch von unterwegs, komme gerade zurück aus Südtirol, wo letzte
Woche die von mir kuratierte Ausstellung "Neues Leben, neues Glück?" in der StadtGalerie Brixen und im Pharmaziemuseum
eröffnet hat. Und von dieser würde ich euch gerne als Erstes erzählen:
Das Thema der Ausstellung ist brisant, ambivalent und immer hochaktuell:
Es geht um die Geburt. Helga von Hofe ist dem Prozess des Menschwerdens in der Malerei nachgegangen, während Laura Pan
mehrere Frauen zur Geburt ihres Kindes interviewt hat. Bei beiden
spielt auch der Schmerz eine Rolle. Bei der neu entwickelten
partizipativen Arbeit von Sarah Solderer
kommt ihr zu Wort, wenn ihr wollt: Mit Nadel und Faden dürft ihr euren
Gedanken zur Frage „Neues Leben, neues Glück?“ ohne Tabus freien Lauf
lassen. Anschauen könnt ihr euch die Ausstellung übrigens noch bis 7. September.
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Ob das Dasein auf dieser Erde für ein neues Leben unter den aktuellen Umständen noch Glück bedeuten kann, hat sich wohl auch Sophia Süßmilch gefragt. Die Performance zur Eröffnung ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück hat in Lokalpolitik und Presse große Wellen geschlagen.
Und die Schau hat auch mich beschäftigt. Um sie vor dieser Welt zu
schützen, essen darin Mütter ihre Kinder kurzerhand in einem
kannibalstischen Akt auf. Und auch in Österreich stoßen Künstler*innen
auf massive Gegenwehr, wenn sie Tabus rund ums Kinderkriegen aufbrechen:
Nur wenige Tage nach ihrer Aufstellung im Linzer Mariendom wurde der Statue einer gebärenden Maria von Esther Strauß – bis dato eine Leerstelle in der Darstellungstradition der Weihnachtsgeschichte – der Kopf abgesägt – hier lest ihr eine Reaktion der Künstlerin. Schade, dass damit eben auch der angebotene Dialog im Keim abgeschnitten wurde.
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Zum Thema Geburt, das mich in meiner eigenen Ausstellung beschäftigt, ist mir außerdem die Ausstellung von Neringa Vasiliauskaité im Kunstraum München
eingefallen, von der ich euch an dieser Stelle gern noch berichten
würde. Ihre Schau widmet sich konkret eigentlich der Kindheit. In ihre
polsterartigen, mit Epoxidharz ausgehärteten Boden- und Wandobjekte hat
sie Erinnerungsstücke aus Holz eingearbeitet, teils unter Glas
eingeschlossen – wie die in Litauen von Kindern und Jugendlichen
versteckten „Sekretas“. Kurz vor dem Vergessen scheinen diese Fragmente
persönlicher und kollektiver Geschichte, die wie Pilze aus den Kissen
herauswachsen. Wie im weiteren Leben Care-, Erwerbs-, gesellschaftliche
und Kulturarbeit sinnvoller aufgeteilt werden könnten, versucht übrigens
auch das von Julia Richter, Susanne Beck und Karen Modrei initiierte ARBEITSLABOR in der Lothringer 13,
ebenfalls in München, herauszufinden. Im dazugehörigen Co-Working-Space
gibt es etwa auch ein Bügeleisen. Parallel beschäftigt sich anhand
eigener Erfahrungen eine Raum- und Audioinstallation des Kollektivs Observant Thick Conversation
mit solidarischen Formen des Zusammenarbeitens. Und damit wünsche ich
euch mit diesen, meinen Tipps ein inspirierendes Kunst-Wochenende!
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Weitere Tipps findet ihr wie immer
drüben bei Instagram.
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Dieser Newsletter wurde verfasst von
Linnea Streit (freie Kuratorin und Kunsthistorikerin,
2024 gestaltet sie das Programm der StadtGalerie Brixen)
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Bildcredits:
(1) Sarah Solderer, Neues Leben, neues Glück? It’s time to open up
about, 2024, Stickerei auf Leinwand, Stickrahmen und -materialien,
Polster: Leinwand, Naturmaterialien, Stickerei, Ausstellungsansicht
StadtGalerie Brixen, Foto: Jürgen Eheim (2) Esther Strauß,
crowning, 2024, Lindenholz, patiniert, Ausstellungsansicht Mariendom
Linz, Foto: Ulrich Kehrer (3) Neringa Vasiliauskaité, Bring mir Glück,
2024, Polsterwatte, bedruckter Stoff, Epoxidharz, mundgeblasenes Glas,
Holz, Foto: Neringa Vasiliauskaité (4) Leonhard Angerer
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Büro für Gegenwartskunst –
Verein zur Förderung von Gegenwartskunst im Alpenraum
Höttinger Au 76, 6020 Innsbruck
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