Ist Yayoi Kusama die Elena Ferrante der Kunstwelt?
Wo seid ihr eigentlich gerade? Am Strand oder im eigenen Bett? Am Arbeitsplatz oder im Museum? Wo wir regelmäßig abhängen, das dürfen wir euch ja allsamstäglich berichten. Deshalb geht es heute gleich rein ins Erzählen, denn über die neue FORT-Biennale haben wir hier ja bereits geplaudert. Davon, dass sie geplant wurde, dass sich ein Kuratorinnenteam (Ulrike Buck und Margareth Kaserer) gefunden hat – und last but not least, dass man die neue Biennale in der Festung Franzensfeste jetzt auch anschauen kann. Haben wir natürlich gemacht. Und dabei alte Bekannte getroffen, beim Durchgehen und unter den Kunstwerken. Denn von Sophia Mairer haben wir euch hier ja auch schon erzählt. Ihre mysteriösen Wächter (im Bild!) begrüßen die Biennaleschauer*innen gleich beim Eintreten in die Franzensfeste. Und was noch? Wir haben uns gefreut über das Wiedersehen mit Karin Welponer und eine wunderbare Arbeit von Chiara Fumai – Um einmal einige wenige zu nennen. Aber da wartet noch mehr. Ein wunderbares Künstler*innenalphabet, von Ellinor Aurora Aasgaard bis Jörg Zemmler. „Alphabet“ ist dabei kein schlechtes Stichwort, schließlich geht es in „Im Körper der Sprache“, so heißt die Ausstellung, ja ums Sprechen und ums Ausdrücken. Dreisprachig am besten. Und gleichzeitig bleiben einem manchmal die Worte weg. So ist das also mit der Kunst.
 
Ok, ok, jetzt wieder ein bisschen mehr down to earth – bitte! Am Boden bleiben, vielleicht sogar Wurzeln schlagen, das will „insideout“, ein Projekt, das jetzt zum zweiten Mal in Tirol stattfinden. Irgendwo im Wald, oberhalb von Telfs. Wenn ihr es sehen wollt, dann steuert am besten den Ropferhof an, der das Projekt mitinitiiert hat. Denn rundherum hat Matthias Krinzinger, der in der ersten Ausgabe des Freiluftprojekts als Künstler dabei war (ebenso wie Sophia Mairer oben!), zeitgenössische Kunst verteilt. Skulptur und Konzept, Andrea Lüth und Angelika Wischermann und auch Leander Schönweger und Michael Heindl sind dabei. Bei den beiden Erstgenannten wollen wir kurz bleiben, denn ihr Zusammenspiel dort im Wald ist ganz toll gelungen: Zuerst folgt man Wischermanns Ameisenstraße durch den Wald, dann sucht man nach Lüths bunten Spuren. Das sind mal eine Bank mit Füßchen, mal ein Schmuckstück für einen Baum. In jedem Fall freut man sich wie ein*e Schwammerlsucher*in, wenn man die Kunstwerke dann endlich im Gebüsch findet. Cute!
 
Abschließend nochmal in die große weite Welt: Wie geht es euch eigentlich (es ist ja Buchtipp-Zeit, oder?) mit der Liste der „100 Besten Bücher des 21. Jahrhunderts“, die die New York Times vor Kurzem veröffentlicht hat? Habt ihr dadurch Lust bekommen, was Neues auszuprobieren – also Neues zu lesen? Oder stand bei euch eh auch Elena Ferrante auf der 1? Bei uns stieß der Kanon tatsächlich auf unterschiedliche Reaktionen. Einerseits: geile Auflistung, neue Tipps. Andererseits: puh, ganz schön US-zentriert das Ganze. Und dann kam da außerdem folgende Frage auf: Sollten auch wir wieder mal eine Liste entwerfen? Die 10 besten Ausstellungen des Jahres? Und wie gehen wir da mit besonders publikumsträchtigen Schauen um? Darf Blockbuster neben Nischenschau? Ein bisschen Blockbuster gibt es heute nur im Bild – auch weil die Installationen von Yayoi Kusama eben ultra-instagrammable sind. Ihre Kunst spricht mehr Menschen an, als so manch andere Kunst. Ist sie deshalb gut? Ist Yayoi Kusama vielleicht die Elena Ferrante der Kunstwelt? Sorry, für den Fragezeichen-Wald! Aber der musste heute einfach sein.
Weitere Tipps findet ihr wie immer
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Dieser Newsletter wurde verfasst von
Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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Bildcredits: (1) (c) BfG, Ausstellungsansicht "FORT-Biennale", Franzensfeste (2) c) BfG, Ausstellungsansicht "insideout", Buchen. (3) c) BfG.

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