Demure
oder brat?
Very demure? Oder simply brat? Wenn auch ihr euer Leben seit diesem Sommer nach diesen Größen einteilt, dann seid ihr hier und heute genau richtig. Seit Wochen werden Erlebnisse, Menschen, Memes danach unterschieden, ob sie nun "very demure", also (vermeintlich!) nobel und zurückhaltend oder einfach eine "brat", eine Göre sind. Creatorin Jools Lebron und Sängerin Charli XCX haben's verbrochen – auf TikTok natürlich. Aber warum nicht mal mitmachen? Das geht für die Gegenwartskunst doch auch! Und wir meinen's ja, eh so wie die beiden, nicht immer ganz so ernst. Deshalb ist dieser Newsletter auf der Bildebene auch ganz zufällig ganz weiß geworden. Very demure halt. Aber jetzt wirklich zur Kunst, den von den BAW wollten wir euch ja schon vergangene Woche erzählen. Es ist die vierte Ausgabe des Festivals, das heuer in Bozen über die Bühne geht. Wo genau, seht ihr auf dieser Map. Was genau passiert, erfahrt ihr hier. Wir haben uns schon mal durchs Programm gearbeitet und Anna Scalfi Eghenter ist uns regelrecht entgegengesprungen. Ihre Performance "The Fluo Swan" wird am Freitag in der Ar/Ge Kunst zu sehen sein – und beschäftigt sich nichts weniger mit dem Untergang des Anthropozäns. Gleichzeitig ist die "Vertragsperformance" aber auch eine Versicherung dagegen. Gegen was? Müsst ihr selbst sehen. Am 28. September. Wir erinnern an Eghenter heute nochmal, weil ihre Ausstellung Ende 2023 im Ferdinandeum ja auch mutig war. Sich Platz genommen hat. Einfach brat, halt. Wie die BAW eben auch.
 
Von brat zu very demure, very mindful. Tatsächlich etwas zurückhaltender verhält sich die Ausstellung von Annja Krautgasser in der Tiroler Tiroler Künstler:innenvereinigung. Die Videoarbeiten der Künstlerin sind sehr duchkomponiert und wohl getaktet – auch wenn der Zufall seine Rolle spielt. "The Resistance of Nothingness" jedenfalls fokussiert auf den sechsteiligen "Szenen-Zyklus", in dem sich Krautgasser aufs menschliche Zusammenleben konzentriert. Die Arbeiten können dabei nicht unterschiedlicher sein. Während in "Rollenszenen" eine Frau in einem Verhör sitzt (und sich verweigert), entschwindet auch in "Waldszenen" eine Frau den Fragen des Manns. Sich verweigern als feministischer Akt? Das ist eigntlich ziemlich brat. Bei Krautgasser kommt das alles aber auf einer auch ästhetisch reizvollen Ebene daher. Und kombiniert mit "Randarbeiten". Bis 9. November kann man die Ausstellung der Künstlerin noch sehen.
 
Ob die Zukunft brat oder demure wird, ist wurscht. Sie wird in jedem Falle anders. Das gilt auch für die Museumslandschaft und das Museum selbst. Architekturtheoretiker Peter Volgger wagt in seinem neuen Buch gar die steile These: Das Museum der Zukunft ist gar kein Museum mehr. Sondern? Fragt nicht weiter, noch haben wir das gute Stück nicht gelesen. Empfehlen wollen wirs dennoch schon mal, vielleicht kann man ja auch wunderbar darüber streiten. Passt dann auch zum neuen Masterstudium, das die Uni Bozen in Kooperation mit dem Museion in Bozen für 2025 lanciert. "FOAM" widmet sich dann voll und ganz der Zukunft von Kunstmuseen und will Profis schulen, wie Museumsarbeit von morgen aussehen könnte. Kreative Zugänge gesucht! Egal, ob das dann Museum heißt oder nicht. Hier gibt's jedenfalls mehr Infos dazu, die Deadline für die Bewerbung ist der 15. Oktober.
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Dieser Newsletter wurde verfasst von
Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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21.09.2024: Alles cute kommt von oben
14.09.2024: In den Kunstherbst projiziert
27.07.2024: Einmal noch


 
 
Bildcredits: (1) (c) Ela Bialkowska OKNO studio (2) c) BfG, Ausstellungsdetail "Annja Krautgasser: The Resistance of Nothingness", Neue Galerie Innsbruck (3) c) Cover Peter Volgger: "Museum der Zukunft", innsbruck university press, 2024

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