Schauen, schauen,
schauen
Es ist Endspurt. Also ganz allgemein. Fürs Jahr. Fürs Kunstjahr. Und fürs Kulturhauptstadtjahr. Das in Bad Ischl ist inzwischen ganze 10 Monate alt. Und wird auch nicht jünger. Das Programm im Salzkammergut ist aber nach wie vor vollgepackt. Wir haben euch schon erzählt, von Bill Fontana am Gletscher und Ai Weiwei im Tal. Einmal aber startet unser Newsletter noch in der großen europäischen Metropole, die heuer das kleine Bad Ischl darstellt. Selma Selman ist nämlich inzwischen auch da. Die Romni Künstlerin und Aktivistin ist derzeit sowieso in aller Munde, in einer Installation und einem Film erzählt sie jetzt auch in Bad Ischl von sich selbst und der bosnischen Nachkriegswirtschaft. Zwischen all dem Altmetall geht es um Fragen des Werts.Was ist uns Material wert? Was Arbeitskraft? Was unser Planet? Diese Fragen stellt Selma Selman immer wieder neu, sie werden recyclet – wenn man so sagen darf. Das haben wir 2022 übrigens schon im Kunstraum Innsbruck erfahren dürfen. Damals hat sie für ihre Ausstellung (und vielleicht sich selbst?) konstatiert: „The most dangerous woman in the world“. Es hieß (abkupfert von Jelena Prtoric), Selman "zerlegt Autos, Waschmaschinen und das Patriarchat“. Stark! Das gilt dann auch für ihre neue Schau in Bad Ischl. Die ist übrigens noch bis 31. Oktober zu sehen.
 

Wenn wir schon im Kunstraum Innsbruck sind, dann bleiben wir doch da. Denn die aktuelle Ausstellung von Stephan Pirker und Wolfgang Tragseiler passt auf Materialebene zum Beginn dieses Newsletters. Zumindest bei Pirker wird benutzt, was andere nicht mehr brauchen. Aus Sperrmüll, Tierknochen und Zeugs entstehen die phantasievollsten Geschöpfe und Gefährte. Nur thematisch ist es nicht die Familie oder die Herkunft, sondern die Männlichkeit, die bearbeitet wird – oder besser: an der gesägt wird. Und zwar auf volles Risiko. „Ohne Reserve Rad“ heißt die Ausstellung auch. Was Pirker und Tragseiler ein: Beide Oeuvres strotzen nur so von Popkultur. Im Gemeinsamen entsteht eine Ausstellung der ganz anderen Art. Wie abgespacet – das müsst ihr euch (natürlich: wie immer) selbst anschauen.
 
Selbst anschauen, selbst aussuchen, die Qual der Wahl hat man in Österreich heute Abend (und nachts!) einmal mehr bei der Langen Nacht der Museen. 1 Ticket, hunderte Museen – das Angebot ist auch heuer groß. Auch bei uns in Tirol, wo heuer das erste Mal das Ferdinandeum nicht dabei ist, weil dort gerade gebaut wird. So wie auch in den nächsten Jahren übrigens. Wer unterwegs sein will, der muss bei Neda Saeedi im Taxispalais vorbeischauen, jetzt aber endlich! Heute Abend stehen u.a. Führungen mit Kuratorin und Direktorin Nina Tabassomi an. Nur so als Tipp. Auf unserer eigenen Liste steht dagegen die Sonderausstellung zu Lois Weinberger in Schwaz, der auch in diesem Newsletter immer wieder gern gesehener Gast ist. Einen Teaser zur Schau gab’s heuer ja im öffentlichen Raum – in einer Installation, in der wachsen durfte, was wachsen will. Siehe Bild. Damit’s auch weiterhin viel zu schauen gibt. Übrigens nicht nur in Ö! In Zürich lädt das Kunsthaus Zürich heute überhaupt zum Tag der offenen Tür. In Bozen war die lange Nacht der Bozner Museen ja gestern gestern. Heute (und morgen) wird dafür das Ende der diesjährigen BAW gefeiert. Es hilft nix! Auch für uns gilt: Schauen, schauen, schauen.
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Dieser Newsletter wurde verfasst von
Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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Bildcredits: (1) (c) Sander van Wettum/Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 (2) c) Daniel Jarosch (3) c) BfG

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