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Zugegeben, ein bisschen zum Gruseln ist das schon, wenn ein bayrischer
Kunst- (und Wissenschafts-)Minister, sich mehr „Wow“-Effekte von den
bayrischen Museen wünscht. So wie in New York, wo sich Markus Blume von
der CSU gerade umgesehen
hat. Solche Sprüche kennt man ja, die Politik will aber nicht nur Party
feiern, sondern interessiert sich auch für privates Fundraising in
öffentlichen Museen, wie man hier zusammengefasst lesen kann. Will ein Unternehmensberater (sagt Wikipedia!)
jetzt auch Museumsprogramm machen? Dürfen wir mal provokant fragen.
Dabei machen gerade viele Museen im süddeutschen Raum großartige Arbeit,
wir haben erst vor einigen Samstagen wieder ins Haus der Kunst in München geblickt. Wo Martino Gampers „Sitzung“,
eben nicht nur ein ganzer Haufen an Stühlen war, sondern ein Projekt,
das auf Partizipation – ja eben: setzte. Am Dienstag hat Gamper hier bei
uns im Innsbrucker WEI SRAUM übers „Gesamtkunsthandwerk“ gesprochen, was eben nicht nur ein schöner Begriff ist, sondern für unsereins doch auch ins Museum gehört. In London ist mit „Before, After & Beyond“ gerade nicht Museum, aber im schicken Townhouse eine Retrospektive des Südtiroler Designers zu sehen. Ermöglicht hat das die Schweizer Kunstsammlerin Maja Hoffmann.
Private Mittel in öffentlichen Institutionen – hat sich Politiker
Markus Blume das hoffentlich so in der Art vorgestellt? Sonst heißt’s
wirklich weitergruseln.
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Apropos gruseln: Das passt doch in die dunkle Jahreszeit, die uns jetzt
bevorsteht. Und Halloween haben wir trotz all dem Horror, der gerade
über die Fernsehbildschirme flirrt, ja auch wieder überlebt. Zum
Gruseln, also wenigstens ein bisschen, ist aber auch eine Ausstellung,
die derzeit in Innsbruck zu besuchen ist. Es geht um die Figur des Krampus – einfach „Krampus“ hat Künstler Kurt Tong
sein fotografisches Reinschnuppern in einen ziemlich alten Brauch hier
in Tirol ja genannt. In Krampus und Nikolaus habe Kurt Tong, der in Hong
Kong geboren ist, sein alpines Yin und Yang entdeckt – so sieht das
zumindest Inn Situ,
wo die Ausstellung gerade stattfindet. Sehen kann man in der Schau
übrigens fast nichts, bewaffnet mit einem Stablicht wandert man vorbei
an schaurigen Krampusmasken und mysteriös schnaufenden Ecken. Ja, hier
hat ein Künstler gaaanz tief in die Trickkiste gegriffen, besonders weil
am Ende dann auch noch ein – ach, schaut einfach selbst vorbei! Geht
noch bis laaange nach Halloween: bis 28. Jänner.
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Vom Krampus zur Hexe ist es nicht mehr weit, also nehmen wir, wenn schon
gruseln, diese Gestalt auch noch mit – weil in diesem Fall, doch
inhaltlich um einiges spannender, ja zuletzt einige Umdeutungen
stattgefunden haben. Die Hexenverfolgung, das dürfte heute klar ist, war
ein Instrument zur Unterwerfung der Frau, im heutigen Feminismus wird
die Hexe quasi zur Ikone. Und kehrt als solche wieder ins Museum zurück.
Wir dürfen daran erinnern, dass das TAXISPALAIS in Innsbruck 2021 eine Ausstellung den „Hexen“ widmete – und dabei nach Mechanismen der Unterdrückung von früher bis ins Heute suchte. Mit dabei war damals u.a. Neda Saeedi, die aktuell wieder im TAXISPALAIS zu sehen ist. Mit dabei waren aber auch Angela Anderson und Ana Hoffner ex-Pruvlovic*,
die unheimliche Resonanzen zwischen den Ursprüngen der historischen
Hexenverfolgung und unserem Heute herausarbeiteten. Wie das aussah, seht
ihr im Bild! Und auch in ihrem neuen Projekt „Hexenküche – Formerly Known As“,
das seit Kurzem im öffentlichen Raum in Innsbruck (Waltherpark!) zu
sehen ist, geht es um eine feministische Re-Codierung der Hexe. Ums
Neucodierungen ging es doch auch der jung verstorbenen Chiara Fumai 2015 im Museion Bozen. In ihrem „Hexenhammer“ verschwamm die Bilderwelt des mittelalterlichen Traktats Malleus Maleficarum
mit dem politischen Engagement von Ulrike Meinhof. Oha! Ist das zuviel
Inhaltsgeballer? Fürchten braucht ihr euch nicht – jetzt ist auch dieser
Newsletter bald vorbei. Aber eins noch: Eine Arbeit von Fumai ist auch
in der tollen, ersten Fort-Biennale („Im Körper der Sprache“) in der Franzensfeste zu sehen. Noch kurz, heißt: bis 10. November.
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Weitere Tipps findet ihr wie immer
drüben bei Instagram.
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Dieser Newsletter wurde verfasst von
Barbara Unterthurner (Obfrau von Büro für Gegenwartskunst)
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Bildcredits: (1) (c) BfG, Ausstellungsansicht "Martino Gamper. Sitzung", Haus der Kunst München, 2023 (2) c) BfG, Ausstellungsansicht "Kurt Tong: Krampus", Inn Situ, Innsbruck (3) c) BfG, Ausstellungsansicht "Hexen", TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, Innsbruck 2021
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Büro für Gegenwartskunst –
Verein zur Förderung von Gegenwartskunst im Alpenraum
Höttinger Au 76, 6020 Innsbruck
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