Spiel mir den
Hamlet, online!
Über Jetztkunst zu schreiben, bedeutet zumindest für uns, nie ganz von der Gegenwart abgeschottet zu sein. Sollen wir, weil morgen die Oscars vergeben werden, jetzt also wirklich über Filme sprechen? Why not? Wenn's passt? Bitteschön: Ein Film, der mit den Oscars zwar nichts zu tun hat, unsere Aufmerksamkeit aber trotzdem schnellstens gecatcht hat, ist "Grand Theft Hamlet" – zu sehen auf MUBI. Die Gamer*innen unter euch werden schon beim Titel stutzig. "Grand Theft Auto" aka GTA ist schließlich eine der erfolgreichsten Computerspieleserien überhaupt. Bevor ihr 6. Ableger erscheint – wann auch immer – hat ein britischer Schauspieler und eine Filmregisseurin nun "Grand Theft Hamlet" veröffentlicht, ein Film im Game sozusagen. Shakespeare, natürlich. Darunter machten es die Beiden nicht. Also, sein oder nicht sein? Ist das Kunst? Wir sagen: JA. Einen "Hamlet" in einem Ballerspiel zu inszenieren, muss Kunst sein. Abgeschaut haben die beiden "Grand Theft Hamlet"-Ideengeber*innen, heißt es zumindest hier, auch beim österreichischen Kollektiv "Total Refusal", von dem wir in diesem Newsletter schon mehrfach berichtet haben. Die Gruppe hat schon seit Jahren virtuelle Landschaften von Videospielen zu einer ganz eigenen, "media guerilla"-Spielwiese gemacht. Wir haben sie im Dock20 entdeckt. Und wir erzählen euch auch nochmal in untenstehendem Bild davon. Wer noch mehr wissen möchte, der oder die ist nach dem Schauen dieses Porträts vom ZKM hier bestimmt schlauer. Darin heißt es: Mit ihrer Kunst will Total Refusal versuchen, "die SpielerInnen von der Schönheit der Kunst und die KünstlerInnen von der Schönheit des Computerspiels zu überzeugen". Besser hätten auch wir's nicht tippen können.
 
Also wir hatten Kunst und Computerspiel – warum also nicht auch Kunst und Social Media? Ja, alles klar, von "ohnetitel3000" hatten wir an dieser Stelle eh schon berichtet, einer Social Media-Initiative von WDR und ARD Kultur, die der Fragen der Kunst auf ziemlich kreative Weise nachgeht. Geschichten über Kunst und von Kunstwerken erzählt aber auch "@thegaze_art" (auf Instagram) bzw. "thegaze_" (auf Tiktok) – und das sogar auf beiden Kanälen vor je fast einer halben Million Follower*innen. Es geht um schräge Entstehungsgeschichten von (historischen) Gemälden – oder einfach um die Frage, was ist "moderne Kunst", was ist "zeitgenössische Kunst". @thegaze aka Creator Matthijs Van Mierlo kommt dabei zu einer ziemlich einfachen Lösung. Wir übersetzen kurz: Bei moderner Kunst gehe es eher darum, "wie wir sehen" – bei zeitgenössischer Kunst eher darum, "was wir denken, oder was denkt ihr?" Abseits des ganz akkuraten, wissenschaftlichen Sprechens über Kunst könnte, zumindest für Social Media, das doch ein Ansatz sein, Menschen zum Kunstschauen zu bringen. Oder was denkt ihr? 
 
Kunst und ... Kunst, so im ganz handyfreien, analogen Leben – auch davon soll heute noch die Rede sein. Mal nicht daddeln, mal rausgehen. Zur Kunst gehen. Das machen jedenfalls die Art Walks in Zürich. Die gibt's hier gleich in unterschiedlicher Form, beim Zurich Art Weekend, das heuer am dritten Juniwochenende (13. bis 15.) steigt. Den Art Walk gibt es aber übers ganze Jahr. Ähnlich wie den Art Walk West, der jeden letzten Donnerstag im Monat stattfindet und ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Galerien, Kunsträume und Museen rund um die Zürcher Limmatstraße ist. Heißt: Beim Migros Museum für Gegenwartskunst kommt ihr kaum vorbei, wo aktuell alles im Zeichen von "Accumulation" steht, es geht ums "Ansammeln, Wachstum und Überfluss" – passt jetzt irgendwie zu unserem jüngsten Newsletter über die Überforderung, den ihr, wenn ihr nicht gelesen habt, hier auch nochmal nachlesen könnt. Apropos Überdrüber, diese Zuschreibung passt, wie wir finden, auch zur neuen Ausstellung im SKB Artes in Bozen, das wir vor Kurzem besuchen durften. Anuschka Prossliner und Sabine Steinmair kommen da von der Linie zum point – zur Textur – zum Dialog. Am Ende gerät das Alles zu einem wilden Haufen aus Stofflichem, ganz klassisch als Textil oder eben auf Papier. Man muss genau genau hinschauen. Bis 18. April ist die Ausstellung noch offen.
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Dieser Newsletter wurde verfasst von
Barbara Unterthurner (Obfrau Verein "Büro für Gegenwartskunst")
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22.02.2025:
Hallo, Überforderung!
08.02.2025: Lost im Kunstwald
30.11.2024: Geschichten für 2025 gesucht



 
 
Bildcredits: (1) (c) BfG, "Total Refusal", Dock20 Lustenau, 2023 (2) c) BfG, Screenshot Instagram (3) c) BfG, "Anuschka Prossliner, Sabine Steinmair: "Line.Point.Texture.ADialog." SKB Artes, Bozen.

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