Go With
The Flow
Deine Berge. Meine Berge. Unsere Berge. Ach, solche Gipfel (des Kitsch) haben wir vergangene Woche schon erklommen. Aber wer will's uns verwehren? Es duftet nach Frühling. Und dufte fühlen wir uns auch. Ihr auch, verraten eure Instastories und -reels. Allerorts sprießen die Blüten. Kunst und Draußen – diese Saison läuten wir hiermit ganz offiziell ein. Lana in Südtirol tut es doch auch. Zumindest feiert es seit gestern 25 Jahre Kunst im Dialog mit der Natur. LanaArt ist Skulpturengarten und Kunstweg zugleich. Schlendern zwischen Kunst und Gräsern, vorbei an Thomas Sterna oder Ulrich Egger. Und insgesamt vorbei an etlichen Künstlern (ungegendert), fällt uns hier auf – das geht doch eigentlich diverser, oder? Wil-ma Kammerer und Maria Walcher sind dabei. Vielleicht holt LanaArt 2025 in Sachen Diversität ja noch auf. Zum Jubiläum! Wir hoffen. Immerhin lautet ihr diesjähriges Motto "Flow – weitergehen" – und dafür empfehlen wir ganz ungefragt: Go With The Flow, Lana! Weil der Flow besagt: "Die Zukunft ist weiblich*. Das Jubiläumsprogramm von LanaArt hängen wir hier für alle Interessierten jedenfalls dazu. Und laden abschließend zum Kunst-Schauen in "unseren" öffentlichen Raum. Heißt: Nach Innsbruck. At home. Katharina Cibulka und Silvia Boday haben am Inn schon vor zehn Jahren den "Dürerblick" installiert, an dem wir, wie etliche Andere, immer gern vorbeispazieren. In Stahl haben sie die Stadtansicht des großen Altmeisters abstrahiert. Und Innsbruck damit gleich eine neue (alte) Skyline verpasst. Mehr dazu? Findet ihr hier.
 
Während wir von den Bergen schwärmen, wart ihr auf der STAGE. Auch das haben eure Social Media-Profile vergangene Woche verraten. Die (neue) Vorarlberger Kunstmesse ging in ihrer zweiten Ausgabe mit ordentlich Programm über die Bühne. "Wo sind all die Insekten hin?", auch das wurde zwischen dem Kunst(ver)kaufen in einem Gespräch über Biodiversität gefragt. Während später über das Ehrenamt im Kulturbetrieb diskutiert wurde. Einen "Programm-Marathon" legte die Vorarlberger Kunstszene zuletzt überhaupt hin. Im (von Bregenz aus gesehen) benachbarten Dornbirn wurde gar zum Vernissage-Triathlon geladen. Kunstschauen als Sport? Löblich! Wenn's nur kein Sprint ist. Startpunkt des Triathlons war übrigens die Inge Morath-Ausstellung, von der wir euch ja bereits vergangene Woche berichtet hatten. Bevor es ins Designforum führte, die zweite Station in den Kunstraum Dornbirn. Dort wurde aus dem Triathlon dank Sophie Hirsch ein "Child's Play". Aber Achtung! Es wird noch bis 9. Juni tief geschürft. In unser aller Innerstes rein – im fleischigsten Wortsinne gemeint. Die hängenden, quasi raumhohen Werke von Hirsch erinnern ja auch an Muskeln, Sehnen, Fleisch. Wo Faszienrollen zu schönsten Formabstraktionen und die Massagebälle zu tanzenden Mobiles werden, fühlen wir uns wohl. Das haben wir bei unserem Besuch in Dornbirn gemerkt. It's giving: Toni Schmale. It's giving: Anna Lerchbaumer. Lieben wir ja.
 
Also, zusammengefasst: Wir hatten heute schon das Draußen und das Drinnen. Und sogar das Innerste, wenn wir Sophie Hirschs Kunst sehen. Das Draußen ins Drinnen holen, das geht derzeit aber tatsächlich nur bei Philippe Parreno im Haus der Kunst. "Voices" holt ein bisschen Almeria (Spanien) nach München. Bilder, Töne, Daten aus der spanischen Wüste werden in die Münchner Ausstellung gestreamt – nie direkt, nie plakativ. Dem Computer "Brain" sei Dank werden die Veränderungen der Natur auf die Objekte im Raum übertragen. Das mag jetzt sperriger klingen, als es ist, lest hier. Am Ende fügt sich Licht, Klang, Atmosphäre ganz natürlich in die durchchoreographierten Ausstellungsräume. Ja, da hilft auch kein Tippen: Das muss man gesehen haben. Auch weil die Kunst-Landschaft von Parreno nie ganz unbewohnt bleibt. Tino Seghal hat für Parreno ja noch eine performative Ebene in die Ausstellung gepflanzt. Tänzer*innen und Performer*innen wandeln durch die Schau. Besser als "sehen" also: Das muss man erlebt haben.
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Barbara Unterthurner (Obfrau Verein "Büro für Gegenwartskunst")
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Bildcredits: (1) c) BfG (2) c) BfG, Ausstellungsansicht "Sophie Hirsch: Child's Play", Kunstraum Dornbirn (3) (c) BfG, Ausstellungansicht "Philippe Parreno: Voices", Haus der Kunst, München.

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