Kunst auf
offener Straße
Kurze Zwischenfrage: Wo seid ihr gerade unterwegs? In einem crowdy Museum? Oder noch auf der Straße? Um genau diese wird es nämlich heute gehen. Bevor wir uns allerdings auf den heißen Asphalt wagen, doch noch einmal zurück ins Museum. Denn von einem unserer jüngsten Ausstellungsausflüge konnten wir euch noch gar nicht berichten. Und jetzt ist es zu spät – also fast. Die Ausstellung der großen Rachel Ruysch in der Alten Pinakothek in München ist nämlich eigentlich schon wieder zu. Und doch wird sie bleiben. Zumal die Schau jetzt weiter in die USA (nach Ohio und Boston, alle Infos hier) zieht. Wieso ist das gut? Weil Ruysch jetzt die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr schon immer zugestanden haben sollte. Die Barockmalerin – ist sie die Gentileschi der niederländischer Blumenstilleben? – sticht mit ihrem Erfolg und ihrem aufregenden Leben (zehn Kinder!) zwischen ihren vornehmlich männlichen Meister klar hervor. Auch davon erzählte die Münchner Ausstellung – die laut Alte Pinakothek erste große, monographische weltweit übrigens. Wer noch einen Einblick bekommen will, Infos zur Ausstellung gibt es hier noch in Videoform. Mehr zu Ruysch gibt's nur in Buchform. Dass die Ausstellung bleiben wird, beweisen auch die neuesten Meldungen. Das deutsche art-Magazin etwa hat "Nature Into Art" jetzt als Ausstellung des Jahres 2024 beim art-Kuratorenpreis nominiert. Wird sie es? Oder welche fandet ihr besser?
 
Jetzt aber wirklich zu Kunst auf offener Straße. Denn die Straße als Ort der Begegnung, dieser öffentlicher Raum, in dem sich Menschen treffen, feiern, streiten oder protestieren, die passt nicht nur zum Frühling, sondern eben auch in unsere aktuelle politische Lage – schaut auf die Straßen der Türkei oder nach Serbien. "Auf der Straße", diesen simplen Titel hat die nächste Woche öffnende Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein, will Künstler*innen zeigen, die den öffentlichen Raum schon seit den 1960ern befragen, beleuchten oder ihn sich aneignen. In vier Schwerpunkten ("Auflesen", "Gehen", "Maintenance/Wartung", "Protest und Leben auf der Straße") werden Arbeiten von Francis Alÿs bis Agnès Varda gezeigt. Ein paar Positionen haben wir uns schon rausgepickt – und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Anna Jermolaewa, aber auch mit Corita Kent (aka Sister Mary Corita), die 2020 schon einmal prominent im Taxispalais in Innsbruck vorgestellt wurde. Und Rivane Neuenschwander hatte ihre große Einzelausstellung doch 2021 eh auch im Kunstmuseum Liechtenstein. Wir fragen uns noch: Welche Rolle spielt die Straße rund um das Ausstellungshaus in Vaduz? Antwort wird nachgeliefert.
 
Wer auf der Straße und in einer Ausstellung über die Straße natürlich nicht fehlen darf: Bansky. Klara Lidén! Ihre Arbeiten, oftmals sind es Readymades direkt aus dem öffentlichen Raum, sind ab kommender Woche nicht nur "Auf der Straße" in Liechtenstein zu betrachten, sondern gleichzeitig auch in Bozen. Im Museion hat vor Kurzem nämlich – wir bleiben on the streets – die Ausstellung "Graffiti" eröffnet, auf die wir schon sehr gespannt sind. Und die ja wohl ohne die Straße als Motiv auch nicht auskommen wird. "Graffiti" soll jedenfalls, so verrät die Ausstellungsbroschüre, nicht die Geschichte der Streetart herunterbeten, sondern sucht vielmehr nach Verbindungen vom Graffiti in die zeitgenössische Kunst. Die vierte Etage im Museion hat sich für die aktuelle Ausstellung überhaupt ganz und gar in eine Stadtlandschaft verwandelt. Und ja, da spielen Lidéns Arbeiten – es sind Berliner Mülleimer oder auch Straßenteile unseres öffentlichen (Asphalt-)Raums – wohl wieder eine entscheidende Rolle. Zu sehen waren ihre Arbeiten im Museion schon einmal 2013 – "Invalidenstraße" hieß die Schau damals übrigens.
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Barbara Unterthurner (Obfrau Verein "Büro für Gegenwartskunst")
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Bildcredits: (1) c) BfG, Ausstellungsansicht "Rachel Ruysch: Nature Into Art", Alte Pinakothek, München (2) Anna Jermolaewa, "Volga etc.", 2008. Serie von 9 C-Prints. Courtesy to the artist, c) 2025, ProLitteris, Zurich (3) (c) Luca Guadagnini.

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