Inspired
by?
Eine Frage am Anfang muss sein! Was oder wer inspiriert euch gerade? Ist es eine Serie? Ein Buch? Ein Podcast? Oder eine ganz bestimmte Person? Gut, das waren mehr Fragezeichen als gehofft. Aber woher die Inspiration kommt, das interessiert. Muse gesucht – gilt für diesen Newsletter. Aber eine zeitgenössische Version davon. Das Klocker Museum in Hall hat sich schließlich nicht umsonst "I am my own muse" für die neue Ausstellung auf die Fahnen geschrieben. Darin zu sehen: Quellen der Inspiration, die aus einem selbst kommen. Also Künstlerinnen reflektieren Künstlerinnen. Künstlerinnen reflektieren ihre Rolle in der Kunstwelt. Künstlerinnen reflektieren die Rolle der Frau – haben wir schon gesehen, denkt ihr? Diese Künstlerinnen-Liste aber hat uns dennoch überrascht. Ja, die große VALIE EXPORT ist dabei. Aber nicht mit eigenen Werken. Was, wie, wo? Schaut halt hin. Schaut vorbei. Schaut zu. Besonders bei Addie Wagenknechts Videobeitrag zur mütterlichen Care-Arbeit. Oder bei Janine Chantal Wegers feinen seismographischen Messungen, die von einem Vibrator – ja, richtig gelesen! – erst angeheizt werden. Und was will der Wäscheständer an der Wand? Am besten schaut ihr euch die ganze Ausstellung an. Bis 31. August geht das ja noch.
 
Künstlerinnen – ja, die ganze Feministische Avantgarde (aka Kunst der 1970er der Sammlung Verbund) hat Gabriele Schor eh bereits vorgelegt. Vor Kurzem ist die neue, überarbeitete Ausgabe erschienen – für all jene, die noch nach Inspiration suchen. Und wenn wir schon bei Büchern sind, dann weiter damit. Vor Kurzem ist uns nämlich folgendes Bändchen (ihr seht es im Bild) in die Hände gefallen. Eines, das sich auch von den Lücken inspirieren lässt. Eine Sammlung ist eine Sammlung ist eine Sammlung? Nein, ihr und wir wissen: (Museums-)Sammlungen sind alles andere als statisch. Ja, sie können irgendwann sogar ablaufen. Quasi ungenießbar werden. Die Halbwertszeit von Sammlungen haben Viola Vahrson, die auch schon an der Universität Innsbruck unterrichtet hat, und Lars Breuer berechnet – oder jedenfalls genau inspiziert. Historische Rückblicke meets zeitgenössische Fragestellungen. Wie umgehen mit einer Videosammlung aus VHS-Kasetten? Was tun mit den Sammlungen der Nazis? Und wie (ent-)sammeln angesicht der ökologischen Krise? Keine Antwort parat? Keine Angst – die versammelten Aufsätze in dem Büchlein sind nicht nur nerdy. Aber auch nerdy. Aber auch davon kann man sich ja auch mal inspirieren lassen.
 
Letzte Frage für heute: Wie umgehen mit geschichtlichen Lücken? Die beschäftigen Belinda Kazeem-Kamiński. Ja, wir hatten euch bereits davon erzählt: Die Wiener Künstlerin wurde nach Meran eingeladen, um dort im Rahmen einer künstlerischen Recherche mehr über das Missionswesen im 19. Jahrhundert in Südtirol zu erfahren. Im Zentrum ihrer jetzt ausgestellten Erzählung steht nun ein afrikanisches Mädchen, das 1855 unfreiwillig in einem Kloster in Bruneck landete. Behutsam zeichnet Kazeem-Kamiński die Wege von Afrika nach Europa nach – und kommt um die Verbindungen zwischen Kolonialismus und Missionierung gar nicht herum. Die Ausstellung wird dabei von Raum zu Raum intensiver, Daten, Fakten, Stimmen, Gewalt, Farbe, Ritual verschwimmen. Werden eins. Und bekommen enorme Kraft. Die Ausstellung ist übrigens der erst zweite Teil eines Schwerpunkts, der Kunstmeranoarte drei Jahre beschäftigen wird. Das kleine Museum fragt nach "The Invention of Europe". Ab Juni dann mit der Gruppenschau "Earthly Communities" – und inspiriert von Achille Mbembe.
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Dieser Newsletter wurde verfasst von
Barbara Unterthurner (Obfrau Verein "Büro für Gegenwartskunst")
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Bildcredits: (1) c) BfG, Ausstellungsansicht "I am my own muse", Klocker Museum Hall (2) c) BfG (3) c) BfG, Ausstellungsansicht "Belinda Kazeem-Kaminski", Kunstmeranoarte Meran.

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