Rein in die City,
raus aufs Land
Neuigkeiten, die hatten wir ja schon vergangenen Samstag – und, wir würden behaupten, auch jeden Samstag zuvor. Gute Neuigkeiten, die sind spärlicher gesät. Aber zumindest wenn wir auch die Museen schauen, dann sind sie da. Man muss nur hinsehen. Der ORF jedenfalls meldet mit Blick auf italienische Museen und Sehenswürdigkeiten: Italien hat 2024 mehr Kulturbesucher*innen als Einwohner*innen gezählt. 60 Mio. sollen die Kulturstätten geflutet haben, an der ersten Stelle lag das Kolosseum (14,7 Mio), auf Platz 2: die Uffizien mit 5,3 Mio. Jaaa, man könnte davon ablesen, Menschen wollen Kultur sehen. Gibt der Kultur, sogar in Sparzeiten, einen guten Grund, um sichtbar zu bleiben. Lasst uns heute also doch einmal vom Sichtbarmachen und Sichtbarwerden plaudern. Ein Thema, das am Internationalen Museumstag morgen wohl ebenso seine Rolle spielen wird. Ganz offiziell steht der ICOM-Tag heuer unter einem Zukunftsmotto. Er denkt darüber nach, wie sich „Museen in rasch wandelnden Communities“ künftig entwickeln werden. Es geht auch ums nachhaltige Stadt-Entwickeln. Und die City liefert uns eh das richtige Stichwort – für den öffentlichen Raum und das Sichtbarmachen. Schauen wir auf die Subkultur der Cities, die zunehmend auch in Museen aufschlagen. Siehe die neue Techno-Ausstellung im Landesmuseum Zürich. Es geht darin nicht nur um die Street Parade, aber doch auch. So wie es schon einmal im Museion Bozen und seinem Techno- Schwerpunkt eben nicht nur um Techno (als Musikform) ging. Aber auch. Die Zürcher Ausstellungsmacher*innen liefern übrigens eine Playlist für ihre Ausstellung, höre hier. Und in Bozen? Da zischt die Spraydose. Wir haben euch bereits erzählt: Nach Techno ist Grafitti. Inzwischen waren wir auch selbst dort und haben geschaut – u.a. auf Mini-Müll-Skulpturen von Yugi Agematsu oder die Stadtabgüsse von Alix Vernet. Fix ist: Wir haben bei Grafitti jedenfalls einiges dazugelernt.
 
Wisst ihr noch? Erst vor Kurzem haben wir darüber berichtet, dass Südtirol und Vorarlberg gemeinsame Sache machen. Jedenfalls beim „ReThinking Traditions“, eines performativen Schwerpunkts der zunächst bei LanaLive zu sehen war. Inzwischen hat LanaLive ein neues Programm und einen neuen Schwerpunkt, das transdiziplinäre Kulturfestival ist eh schon gestern gestartet. Auf die Flaggen haben sich die Macher*innen den öffentlichen Raum geschrieben. Und das Reclaimen. Wem gehören die Plätze und Orte? Und wie können wir sie gestalten? Das fragen sich Künstler*innen vor Ort. Auf dem Programm stehen Begehungen und Begegnungen, Fotografie, Kurzfilme oder Performance. Uns hat auf Anhieb „Wanderspace“ (auch im Bild) angesprochen, ein Kunstprojekt, das an der Universität Siegen entwickelt wurde, um Kunst in der Provinz zu fördern. Studierende der Uni sind auch direkt in Lana unterwegs. Direkt durch die Landschaft wandern Künste übrigens auch im Pinzgau. Denn dort ist heuer Supergau-Zeit, ein Festival das seit 2021 durchs Land Salzburg wandert. Wer das Supergau noch nicht kennt, kann sich im festivaleigenen Magazin schon einmal einlesen. Wer von Festival zu Festival hoppen will, geht natürlich auch: LanaLive läuft bis 24. Mai – das Supergau startet am 23. mit zehn Tagen Festival und Tausend Quadratmeter Freiraum.
 
Wer sich trotz Supergau am Land doch in die Stadt verirren sollte, wir empfehlen den Mönchsberg als Station auf eurer städtischen Wanderroute. Eine sehr sehenswerte Ausstellung wartet dort auf eure neugierigen Blicke. Zu sehen: Das Werk von Jacqueline Mesmaeker (1929-2023), die lange an belgischen Unis lehrte – außerhalb ihrer Heimat aber gar nicht so sichtbar war. Immerhin, so sagt jedenfalls das Museum der Moderne Salzburg, ist dort gerade die erste Retrospektive zum Werk außerhalb Belgiens zu sehen. Mesmaeker ist auch uns da und dort untergekommen, so geballt (und leicht schwebend) wie in Salzburg haben wir ihre Kunst aber noch nie gesehen. Das Oeuvre reicht von Konzept und (minimalen) Interventionen hin zu postminimalistischer Skulptur. Von einer abbröckelnden Wand hin in die feinsten Ritzen – überallhin reicht die Kunst von Mesmaeker. Seht ihr auch die "rosa Connection", wie Presse hier schreibt? Für Mesmaeker in Salzburg jedenfalls gilt: Muss man gesehen haben!
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Barbara Unterthurner (Obfrau Verein "Büro für Gegenwartskunst")
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Bildcredits: (1) c) BfG, Ausstellungsansicht "Graffiti", Museion Bozen (2) Wanderspace, Foto: Valeria Fahrenkrog (3) c) BfG, Ausstellungsansicht "Jacqueline Mesmaeker: Secret Outlines", Museum der Moderne, Salzburg.

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