Fakten
im Nebel
Während in Venedig die Architekturbiennale gerade erst so richtig anläuft, muss die Kunstbiennale 2026 wieder zurück auf Los. Tragischerweise. Wie es jetzt nach dem überraschenden Tod von Biennale-Kuratorin Koyo Kouoh in der Serenissima weitergeht, weiß man jetzt. „Minor Keys“, so der Titel der Ausstellung, wird nach den Ideen von Koyo Kouoh umgesetzt, nur jetzt eben von einem Expert*innenteam, lesen wir hier. Die Message lautet: Es geht weiter. Und wenn es nach Koyo Kouoh geht – ein Text von ihr wurde diese Woche anlässlich der Pressekonferenz in Venedig verlesen – gilt außerdem: „Wir brauchen etwas anderes. Wir müssen heilen. Wir müssen lachen. Wir brauchen Schönheit, und zwar viel davon. (…) Wir brauchen die Radikalität der Freude. Die Zeit ist gekommen.“ Lasst uns heute also auch Schönheit spreaden. Und Freude. Jakob Lena Knebl und Hans Ashley Scheirl dürfen sich freuen, den beiden wird der Klocker-Preis übergeben. Im Herbst wird dann eine gemeinsame Ausstellung im Klockermuseum in Tirol zu sehen sein. Wir erinnern uns derweil an ihre Ausstellung in Bregenz (hier ein Gespräch. dazu). Heute nicht im Bild – dafür lassen wir hier die Nebel aufziehen. Die kommen von Fujiko Nakaya, und wir kramen unsere Bilder von ihrer Ausstellung in München immer wieder raus. Weil wir uns gerne erinnern. Und euch gerne erinnern, dass Fujiko Nakayas Nebel gerade auch über der Neuen Nationalgalerie in Berlin aufgezogen ist. Noch über den ganzen Sommer kann man ihre Nebelskulptur im dortigen Skulpturengarten erleben. Also: Trip to Berlin, anyone?
 
Wir bleiben, wie ihr uns kennt: Wir schauen in die große (Kunst-)Welt, und die Kunstwelten im Kleinen. In so etwas wie einen (Kunst-)Nebel hüllt uns hier in der Provinz gerade auch Künstlerin Janine Weger. Ihre neue Ausstellung konnten wir vergangene Woche hier in Innsbruck sehen – „in Nebel hüllen“ ist hier übrigens nicht wortwörtlich gemeint. Ihre Malerei sieht man ganz klar. Es sind eher die Themen, die die klare Sicht verhüllen. Es geht um die CIA, Propaganda und den Kalten Krieg, vielleicht besser: Es geht um Zeiten der Unsicherheit. Die herrschten damals wie auch heute. Was ist real? Wer ist echt? Das sind die Fragen, die auch wir uns beim Scrollen zwischen einschlagenden Schlagzeilen ja immer wieder stellen. Janine Weger verbindet diese Fragen als "A Creator of Epic Pictures" zusätzlich mit ihrer Malerei. Was ist gemalt? Was projiziert? Und was passiert in der Schnittmenge? Was diese Farbschlieren noch verraten und was das Ganze mit der Filmwelt zu tun hat – nein, wir spoilern euch nicht! Bis 9. August habt ihr Zeit, es herauszufinden. Janine Weger seht ihr abseits davon aktuell übrigens noch in oben erwähntem Klocker-Museum, bevor Knebl und Scheirl einziehen. Diese aktuelle Ausstellung findet ihr hier. Welche Rolle da ein Vibrator spielt? Auch das lassen wir euch herausfinden.
 
Ganz offen sprechen können wir über eine Ausstellung, die auch ein Experiment ist, und die wir vor Kurzem am Mönchsberg miterlebt haben. Denn dort, wo jetzt die neue Ausstellung von Rob Voerman von sich reden macht (und ihr die Personale von Jacqueline Mesmaeker nicht verpassen dürft), ist noch eine dritte Schau zu sehen. Für „Cascade“ hat Künstlerin Nika Neelova einen Parkour entworfen, der durch unterschiedliche Zeiten führt. Man hangelt sich von historischem Exponat zu zeitgenössischer Skulptur. Ja, Nika Neelova hat mit der Sammlung des Museums der Moderne, des Salzburg Museum und des Bergbau- und Gotikmuseum in Leogang gearbeitet und unterschiedlichste Objekte mit Kunstwerken in Einklang gebracht. Und das ist vielleicht auch deshalb so stimmig, weil die Künstlerin in ihren Skulpturen selbst nur mit Gefundenem arbeitet. Nika Neelova kann mit dem, was sie vor sich hat, umgehen. Ihre eigenen Werke sind dabei weniger auffällig, als der generelle Vibe der Schau. Schauen wir auf die Details: Wie archäologischer Fund neben Gegenwartskunst (mehrere Künstler*innen) Platz findet. Und wie ganz generell präsentiert wird. Wie eine Gleichzeitigkeit entsteht. Und alle eins werden. So ganz ohne Nebel, der die Unterschiede verhüllt.
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Barbara Unterthurner (Obfrau Verein "Büro für Gegenwartskunst")
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Bildcredits: (1) c) BfG, Ausstellungsansicht "Fujiko Nakaya: Nebel Leben", Haus der Kunst München, 2022 (2) c) BfG, Ausstellungsansicht "Janine Weger. A Creator of Epic Pictures", Neue Galerie, Innsbruck(3) c) BfG, Ausstellungsansicht "Nika Neelova: Cascade", Museum der Moderne Salzburg.

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